Neue Impulse gegen den Fachkräftemangel

29. Aug 2018 Kategorie Association News

Berufsbildnertagung Swiss Plastics 2018

An einem der letzten Sommertage fand am Donnerstag, 23. August 2018 im Lorzensaal Cham die diesjährige Berufsbildnertagung statt.

 

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Auf dem Programm stand - nach Informationen aus dem Verband, einem Rückblick auf das Qualifikationsverfahren und der Vorstellung zweier Abschlussarbeiten - klar die 5-Jahres-Überprüfung des Bildungsplans im Fokus. Ziel dabei war, dass die rund hundert Teilnehmenden bei der Ausrichtung und Positionierung der Kunststoffberufe mitwirken und deren Ideen und Meinungen einbringen.

Nach der Begrüssung durch Kurt Röschli, Geschäftsführer Technik von Swiss Plastics, informierte der Swiss Plastics Präsident, Silvio Ponti, über die Schwerpunkte des Verbands und hob dabei Aus- und Weiterbildung sowie Nachhaltigkeit hervor.

Berufsmarketing – es geht vorwärts
Jürg Lüthi, Vorstand Swiss Plastics, Ressort Aus- und Weiterbildung, präsentierte einen Überblick über die Aktivitäten des Berufsmarketings. So wurden die Kunststoffberufe noch 2015 nur an zwei Berufsmessen vorgestellt. 2018 sind es nun schon sieben, und für 2019 sind bereits zehn Messeteilnahmen geplant. Im Weiteren stellt Swiss Plastics Schulungsunterlagen für die Oberstufe sowie einen Koffer für die hands-on Erfahrung mit Kunststoffen zur Verfügung.

Eindrückliche Resultate
Einen besonders wichtigen Agendapunkt präsentierte Gerhard Jucker, Chefexperte und Mitglied der Expertenkommission der Berufsfachschule Aarau. Im Qualifikationsverfahren 2018 konnten insgesamt 93 junge Berufsleute ihren Lehrabschluss feiern. Darunter 68 Kunststofftechnologen/innen EFZ (eine davon nach Art. 32) und 25 Kunststoffverarbeiter/innen EBA (drei davon nach Art. 32). Besonders erfreulich ist auch der seit Jahren konstant hohe Notendurchschnitt.

Auch dieses Jahr hatten zwei vielversprechende, junge Berufsleute die Gelegenheit, ihre Abschlussarbeiten einem grösseren Publikum zu präsentieren. Leonardo Tabet, der seine Ausbildung zum Kunststoffverarbeiter EBA bei der Ypsomed AG absolviert hat, und Rahel Joanidis, frischgebackene Kunststofftechnologin EFZ bei Greiner Packaging AG.

Planung ist das A und O - Umrichten einer Spritzgiessmaschine mit Materialwechsel und Inbetriebnahme zur Produktion
Leonardo Tabet (Ypsomed AG) zeigte dem interessierten Publikum eindrücklich die komplexen Schritte auf, die für das Umrichten und die Inbetriebnahme einer Netstal Elion 800-60 nötig sind.

Leonardo Tabet hat seine Ausbildung zum Kunststoffverarbeiter EBA abgeschlossen und lernt nun weiter zum Kunststofftechnologen EFZ. Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg.

Eine Verpackung von der Entwicklung bis zum Handel
Die erfolgreiche Absolventin der Lehre zur Kunststofftechnologin EFZ, Rahel Joanidis, präsentierte die Entwicklung einer Butterdose. Klingt einfach – ist aber ein äusserst anspruchsvolles Projekt.
Gewürzt mit einer Prise Humor zeigte Rahel Joanidis die vielen Iterationen auf, die nötig sind, bis eine solche Verpackung allen Anforderungen genügt. Zudem ging sie detailliert auch auf die produktionsbegleitenden Prozesse, wie die Erstellung des Pflichtenhefts, der Produktbezeichnung sowie Mess- und Qualitätskontrolle ein.

Besonders motivierend ist, dass die entwickelte Dose ab September im Handel sein wird und wieder einmal aufzeigt, dass die Produkte unserer Industrie und damit die Arbeitsergebnisse unserer Berufsleute überall sichtbar sind.

Kunststofftechnologe 2025
Der Hauptteil der Tagung galt dem Bildungsplan, dessen 5-Jahres-Überprüfung und Überarbeitung. Um die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zielführend in den Prozess einzubeziehen und von deren Fachwissen und Erfahrungen bestmöglich zu profitieren, hat Swiss Plastics zusammen mit zwei Expertinnen vom EHB (Schweizerisches Hochschulinstitut für Berufsbildung) einen Workshop, ein sogenanntes ERFA-Café durchgeführt.

In elf Gruppen, die bei jeder der drei Runden anders zusammengesetzt waren, wurden die drei folgenden Themenblöcke diskutiert und anschliessend präsentiert.

Standortbestimmung
Den Anfang markierte eine Standortbestimmung, in der Stärken und Schwächen der aktuellen Ausbildung in den Fachrichtungen diskutiert und bewertet wurden. Hier die Wichtigsten:

Stärken
- Thema der Abschlussarbeit (IPA) ist frei wählbar
- Hohes Niveau der Ausbildungen, Schule deckt alle Fachrichtungen ab
- Absolventen/innen sind innerhalb ihres Fachgebiets direkt einsetzbar

Schwächen
- Erschwerte Berufswahl durch unterschiedliche Fachrichtungen
- Spritzguss ist zu dominant, das führt zu Fachkräftemangel in den kleineren Fachrichtungen. „Exoten“ sind nicht gut aufgestellt

Zukunftsbild 
Die zweite Runde befasste sich mit einer perfekten Zukunft für Kunststoffberufe und wie dort der Aufbau der Ausbildung aussehen würde.
Die Gruppen präsentierten sehr vielversprechende und spannende Ansätze mit einigen gemeinsamen Nennern. Darunter fällt der Wunsch nach einer stärkeren Modularität der Ausbildung, die eine schnellere Anpassung an neue Gegebenheiten ermöglichen würde. Auch müssen die Themen Industrie 4.0, Digitalisierung und Automation/Robotik stärker in die Ausbildung einfliessen, da dies die Felder sind, in denen das Know-How immer gefragter wird. Ergänzt mit den zwei wichtigen Soft Factors bessere Entlöhnung und verbessertes Image des Kunststoffs, würden die Kunststoffberufe stark an Attraktivität gewinnen und in Zukunft dadurch der Industrie die benötigten Fachleute zur Verfügung stehen.

Stossrichtung
Als letztes Thema wurde erarbeitet, welche Stossrichtung die Kommission für Berufsbildung und Qualität (KBQ) verfolgen sollte. Die folgenden Punkte waren dabei die Spitzenreiter

- Bessere Verbindung der schulischen Theorie mit der Praxis
- Das Modell „Grundausbildung“ muss verfeinert, das heisst die Grundausbildung verbessert werden.
- Absolventen mit ihrem Fachwissen im Beruf halten

Mit diesen Resultaten ist der Verband Swiss Plastics als OdA (Organisation der Arbeit) sehr zufrieden, wurden doch die zuvor definierten Ziele des Workshops vollumfänglich erreicht:

> Die Bedürfnisse der Industrie bezüglich Fachrichtungen und Aufbau der Ausbildung sind formuliert
> Die Überarbeitung der Fachrichtungen wird als Chance gesehen

Wir danken sämtlichen Teilnehmern für Ihren Einsatz und die Mitarbeit an dieser grossen Aufgabe.